Die Uraufführung seiner 3. Symphonie in Krefeld 1902 wurde ein großer Triumph. Wie viele seiner Symphonien war auch diese in seinem „Komponierhäusl“ in Steinbach am Attersee entstanden, wohin sich der Komponist zurückzog, um in Ruhe und voller Konzentration auf die Musik seine Ideen zu formen und zu Papier zu bringen. So entstand auch 1895-96 diese Symphonie. Diese ist für extreme Maße und ihren geradezu kosmischen Anspruch bekannt. In einem Brief an seine Verlobte Anna von Mildenburg, die sich durch seine langen Aufenthalte im Komponierhäuschen vernachlässigt gefühlt haben mochte, beschreibt er euphorisch die entstehende Symphonie als "ein so großes Werk, in welchem sich in der Tat die ganze Welt spiegelt - man ist sozusagen selbst nur ein Instrument, auf dem das Universum spielt". Zugleich hielt er den 2. Satz, das Blumenstück, für "das Unbekümmertste, was ich je geschrieben habe". Märsche ziehen hindurch, Kirmes-Musik ertönt, Posthorn-Soli stören die Tierwelt auf, und eine gigantische Entwicklung führt von der zyklopischen Welt der Steine und Berge bis zu dem, was ihm die Liebe erzählt, also ein alchemistisches Konzept umfassender Naturphilosophie. Stimmung und Themen des Jugendstils dieser Jahre kurz vor 1900 sind unverkennbar.
Ursprünglich hatte Mahler die Anlage seines Werks programmatisch in Worte gefasst: „Ein Sommermittagstraum“ war der Titel, die sechs aufeinanderfolgenden Sätze überschrieb er ihrerseits mit 1. „Pan erwacht. Der Sommer marschiert ein“, 2. „Was mir die Blumen auf der Wiese erzählen“, 3. „Was mir die Tiere im Walde erzählen“, 4. „Was mir der Mensch erzählt“, 5. „Was mir die Engel erzählen“ und 6. „Was mir die Liebe erzählt“. Dieses Programm, das er einst einmal brieflich an Bekannte gerichtet hatte, wurde von Mahler selbst nie publiziert. Vielmehr distanzierte er sich sogar davon, da er mit einem formulierten Programm seine Musik nicht in seinem vollen Gehalt verstanden wähnte. "Fort mit den Programmen!" rief Mahler, weil er vielmehr die Gefahr erkannte, missverstanden zu werden. Dennoch zeigen die umstrittenen Satzbezeichnungen deutlich, dass Mahler als Leitgedanken für seine 3. Symphonie eine lineare Entwicklung vom ersten zum letzten Satz vor Augen schwebte. Konzeptionell knüpft der Komponist damit an die Tradition der Finalsymphonie an. Dieter Schnebel beschreibt eine Entwicklung, in der sich „aus dem dynamischen Geschehen des ersten Satzes die mehr statischen Vorgänge der anderen Sätze wie aus dem Griff eines Fächers gleichsam strahlenförmig in verschiedene Richtungen laufen“, wobei der letzte Satz als Kondensat des Gesamten wieder eine Einheit bildet. Die ersten beiden Sätze zeigen einerseits die Entstehung der Musik aus den Urgeräuschen der Welt, andererseits auch das elementare Wirken der Musik. Die Elemente erklingen und geradezu unbehauen entstehen daraus die Akkorde und Rhythmen, von denen zugleich das Chaos der Urelemente gebändigt und in Ordnung gebracht wird. Diese Symphonie ist von unendlichem Optimismus erfüllt und stellt sich mit ihrem Programm "Pan erwacht" bewußt in die heidnische Tradition. Das Erklingen der Musik und sein Erwachen werden in eins gesetzt. Diese Symphonie ist buchstäblich pan-theistisch. Später wird sich bei Mahler offenbaren, wie die Urgewalt der Musik immer wieder hervorbrechen und in umgekehrter Richtung alle Ordnung zerstören und auflösen kann.
Gibt es zunächst von den Urklängen des ersten Satzes bis zur Ausgelassenheit und dem freien Singen und Herum-Tollen der Tiere im dritten Satz eine ständige Weiterentwicklung, so lebt gewissermaßen ein Paradies auf, in dem es noch keinen Menschen gibt, bis erstmals dessen Gegenwart mit dem Posthorn hereinschallt. Die Tiere werden leise, Waldhörner stimmen vorsichtig ein, doch ohne dass der Mensch direkt eingreift, erzeugt seine Anwesenheit große Unruhe unter den Tieren, und sie vermögen von sich aus weder zu verstehen, was geschah, noch ein neues Gleichgewicht zu finden.
Doch wie fühlt sich der Mensch, dessen Gegenwart die Natur aus dem Gleichgewicht bringt? Tief verlassen und voller Sehnsucht nach unendlicher Nacht. Mahler lässt die menschliche Stimme erklingen zu Nietzsches Lied aus dem "Zarathustra" "O Mensch gib Acht!". Im fünften Satz dann gemeinsam mit den Freiburger Domsingknaben und dem Frauenchor des Giuseppe-Verdi-Chors, wird Sibylle Kamphues die Solopartien für Altstimme singen.
Die Symphonie schließt nicht mit einer Gottesverehrung, sondern "Was mir die Liebe erzählt". Liebe erscheint als der höchste Gottes-Dienst, hier verwirklicht der Mensch, was mit Pan erwacht ist. So wird die Liebe gleichermaßen zur heidnischen Religion und soll alle Verletzungen und Ängste heilen, die in den vorangegangenen Sätzen beschrieben wurden. (Weiteres siehe http://www.tydecks.info/online/musik_mahler3.html)
Die durch die bis dahin unübliche Gegenüberstellung zweier Abteilungen und die damit "einkomponierte" Pause zwischen den beiden Abteilungen (nach dem ersten Satz) bisher ungewohnte Form der Symphonie deutet der Musikwissenschaftler Mark Schulze Steinen "als eine Reaktion Mahlers auf die traditionelle Dramaturgie des Symphoniekonzertes als musikalisches Ereignis und das moderne Bemühen, eine Programmgestaltung zu entwerfen, die Kontraste in sich bildet, ohne den Eindruck des all zu Disparaten zu vermitteln. Mit der ästhetischen Balance zwischen den beiden Abteilungen seiner 3. Symphonie bietet uns Mahler daher in einem Werk das, wozu andere Konzertprogramme durch die Kombination mehrerer Kompositionen aufwarten."
Tickets für das Konzert am 15. Mai 2009 im Konzerthaus Freiburg erhältlich bei Reservix.