J. Strauß – Ouvertüre zu „Die Fledermaus“
F. Mendelssohn-Bartholdy – Violinkonzert e-moll
J. Brahms – Symphonie Nr.1
Der Konzertabend beginnt mit einer Ouvertüre, die bereits mit tänzerischem Schwung den Zuhörer in sommerlich-freudige Stimmung versetzen wird. Neben dem Zigeunerbaron und Eine Nacht in Venedig ist Die Fledermaus eine der drei berühmtesten Strauß-Operetten und zudem eine der wenigen Operetten, die regelmäßig auch an großen internationalen Opernhäusern in einer Reihe mit den „seriösen“ Opern gespielt werden. Grund hierfür ist vor allem die ausgesprochen feinsinnige, mitreißende und meisterhaft orchestrierte Komposition. Eine besondere Stellung nimmt dieOuvertüre ein, die, in freier Sonatenhauptsatzform geschrieben, zu den größten Schöpfungen von Johann Strauss zählt. Sie gilt als besonderes Meisterwerk und führt zahlreiche Motive der Fledermaus ein und ist mit ihrer abwechslungsreichen Dynamik auch für Spitzenorchester und Dirigenten immer wieder eine Herausforderung.
Die Uraufführung der Fledermaus fiel mitten in eine Wirtschaftskrise: Kurz zuvor war die Wiener Börse zusammengebrochen, dementsprechend herrschte am Tag der Uraufführung Weltuntergangsstimmung in Wien – dennoch begeisterte das Werk bereits nach seiner Uraufführung. Und der Dirigent Hans von Bülow meinte einst begeistert, Strauß spiele mit seinen Werken allen inneren und äußeren Kopfschmerz weg…
„Ich möchte Dir wohl auch ein Violinkonzert machen für nächsten Winter; eins in e-moll steht mir im Kopfe, dessen Anfang mir keine Ruhe lässt.“, so hatte bereits im Juli 1838 Felix-Mendelssohn-Bartholdy seinem Freund und Geiger Ferdinand David ein Violinkonzert versprochen. Doch erst sechs Jahre später, im Jahre 1844, wurde das Violinkonzert vollendet und 1846 in Leipzig mit Ferdinand David als Solist uraufgeführt. Das Violinkonzert war von Anfang an ein Erfolg und zählt sich mittlerweile zu Mendelssohns populärsten Werken. Im 19. Jahrhundert, an dessen Ende es bereits zu den größten Violinkonzerten in der Literatur gezählt wurde, gehörte es zum Repertoire von führenden Violinisten wie Ferdinand David, Joseph Joachim und Pablo de Sarasate. Auch kompositorisch beinhaltet das Werk einige Neuerungen.
Charakteristisch ist beispielsweise eine bis dahin unübliche nahtlose Überleitung vom ersten zum zweiten Satz. Auch erklingt das Hauptthema des ersten Satzes im Soloinstrument, der Violine, und nicht, wie sonst üblich, im Orchester. Entgegen den Gewohnheiten lässt Mendelssohn die Kadenz nicht am Ende des ersten Satzes erklingen, sondern bereits in der Durchführung – kompositorische Innovationen, von denen sich auch nachfolgende Komponisten wie Jean Sibelius und Peter Tschaikowski inspirieren ließen. Es ist nicht Mendelssohn einziges Violinkonzert (in Jugendjahren schrieb er bereits das Konzert in d-moll), doch als singuläres Meisterwerk zählt allen das späte e-moll-Konzert. Selten fanden sich geläuterte Virtuosität und romantische Poesie zu solch glücklicher Synthese wie hier. (Weiteres s. Dr. H.Ch.Worbs, Harenberg Kulturführer – Konzert)
Solistin dieses Violinkonzerts wird Annette von Hehn sein. Sie is Mitglied des bekannten und international renommierten ATOS-Trios und hat in der Vergangenheit schon vielfach als Solistin mit der Jungen Kammerphilharmonie im In- und Ausland konzertiert.
Annette von Hehn wurde 1978 in Kiel geboren und erhielt bereits im Alter von vier Jahren ihren ersten Violinunterricht. Von 1996 bis 2000 studierte sie an der New Yorker Juilliard School bei Dorothy DeLay und Itzhak Perlman. Nach erfolgreichem Abschluß ging Annette von Hehn nach Berlin, wo sie in der Soloklasse von Professor Ilan Gronich ein Aufbaustudium für Solisten absolvierte, welches sie 2003 "Mit Auszeichnung" abschloß. Meisterkurse bei Ida Haendel, Igor Oistrach, Rainer Kussmaul und Kolja Blacher ergänzen ihre künstlerische Ausbildung, ein Stipendium der Orchesterakademie des Berliner Philharmonischen Orchesters ergänzte ihre symphonische Weiterbildung. Annette von Hehn gewann zahlreiche hochrangige Wettbewerbe, so im Jahre 2001 den internationalen Musikwettbewerb der ARD im Fach Violine. Darüberhinaus gewann sie den 2. Preis beim Wieniawski-Wettbewerb in Lublin/Polen und war Semifinalistin beim Internationalen Carl Nielsen Wettbewerb, sowie Preisträgerin bei den "Artists International Auditions" in New York. Zahlreiche weitere Auszeichnungen würdigen die Leistungen der Geigerin.
Brahms empfand Zeit seines Lebens die neun Symphonien Beethovens als übermächtiges Vorbild und wagte so selbst erst spät, ebenfalls Symphonien zu komponieren. Seine erste der vier Symphonien stellte er dadurch nach mehreren Versuchen an der Gattung erst im Jahre 1876, also als 43-Jähriger, fertig. Der pathetisch monumentale Gestus mag durchaus von den mittleren Symphonien Beethovens inspiriert sein, die Binnenstrukturen allerdings, die Brahms in seiner ersten Symphonie aufweist, sind allerdings völlig anders. Otto Dessoff, Kapellmeister in Karlsruhe und guter Freund, leitet die Uraufführung am 4. November 1876 – Brahms selber dirigiert sein Werk drei Tage später in Mannheim. Die Reaktionen waren überwiegend enthusiastisch, die gespannte Erwartung der musikalischen Welt wurde erfüllt. Doch war es auch nicht überraschend, dass Äußerungen zu einem Vergleich mit Beethovens Symphonien aufkamen. Anders als den Initiatoren der Sinfonischen Dichtung ist es nicht Brahms Anliegen, die Beethovensche Symphonik abzuschütteln. Die Konfrontation findet innerhalb der zu erfüllenden Form statt und umfasst in neuer Gestalt eine Hommage an Beethoven.